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OECD Zahlen zur Bildung täuschen! (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)
Nähern sich die Studienanfängerzahlen der gewünschten 40% Marke, so sieht es bei den Abbruchquoten ganz anders aus, insbesondere bei MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik)
Da zu viele Studenten vor ihrem Abschluss das Handtuch werfen, fehlen uns Absolventen, wer ist schuld? Die Studenten natürlich. Sie sind desorientiert, bringen nicht die notwendigen Kenntnisse mit und sind nicht bereit, hart für ihr Studium zu arbeiten.
Erklärt dies, dass an den Universitäten mehr als 60% der Physikstudenten und mehr als 50% der Elektro- und Maschinenbauingenieure ihr Studium abbrechen oder den Fachbereich wechseln? An den Fachhochschulen sieht es noch bedenklicher aus. Dort liegt die Abbrecherquote der männlichen Bachelor Studenten bei 42% (1), ein äußerst alarmierendes Ergebnis. Und daran sind ausschließlich die Studenten schuld?
Das Problem liegt bei allen Beteiligten, insbesondere beim Professorat und bei der Verwaltung, denn diese sind sehr mit Traditionen behaftet. Die Zeiten, an denen die Hochschulen von nur zirka 6% der Bevölkerung besucht wurden, sind jedoch lange vorbei. Heutzutage müssen es 40% sein, denn ansonsten können wir unseren Lebensstandard nicht halten. Diese Veränderung beinhaltet auch die Veränderung von Wertigkeiten. Wer in einer Industriegesellschaft der Lehrmeister war, ist in einer Wissensgesellschaft der Professor. Beide stellen das Rückrat ihrer Gesellschaft dar und sind hoch anerkannt. Allerdings ist in einer Wissensgesellschaft die Ausnahmestellung des Akademikers, und damit auch die des Professors, verschwunden, deren Verantwortung der Gesellschaft gegenüber aber gestiegen.
In einer Wissensgesellschaft sind die Bildungseinrichtungen systemrelevant. Was das bedeutet erleben wir derzeit in der von den Banken ausgelösten Krise. Hätten wir deren Systemrelevanz früher erkannt und sie besser kontrolliert, wäre großer Schaden von unserer Gesellschaft abgewandt worden. Jetzt müssen wir aufpassen, dass uns nicht Ähnliches mit unseren Bildungseinrichtungen passiert.
Haben unsere Hochschulen ihre neue Position erkannt? Um das herauszufinden habe ich zum Anlass des in der vergangenen Woche stattfindenden Mitteldeutschen Hochschultags and die drei ansässigen MINT Hochburgen Dresden, Magdeburg und Ilmenau geschrieben und zwei Fragen gestellt: "Wie hoch ist bei Ihnen die Abbrecher- bzw. Fachbereichswechslerquote?" sowie die Frage: "Welche modernen Hilfsmittel verwenden Sie für die Wissensvermittlung?". Die Presseabteilungen in Ilmenau und Magdeburg blieben stumm, Dresden hingegen hat vorbildlich geantwortet. Leider ist auch die Dresdner Technische Universität von moderner Wissensvermittlung mit Videos, Podcasts, FAQs und einem 24 Stunden Chat noch weit entfernt.
Professorat und Verwaltung sind Dienstleister der Studenten und die Wissensvermittlung ist die einzige Aufgabe des Lehrauftrags. Den Studenten sollte in 4 Semestern die Grundlagen beigebracht werden, ein Auslandssemester angeboten werden und sie sollten über eine Abschlussarbeit zum ersten berufsqualifizierten Abschluss geführt werden. Das sollte doch möglich sein. Aber die anfangs genannten Zahlen sprechen eine andere Sprache, weswegen es auch nicht verwundert, dass in einer renommierten Veröffentlichung (2) erklärt wird, dass „ein selbstverschuldeter Abbruch“ einen „erforderlichen Selektionsprozess“ darstellt. Aber was heißt „selbstverschuldet“? War es nicht die Pflicht von Professorat und Verwaltung, den bildungswilligen Studenten für eine der vielen Möglichkeiten in MINT zu begeistern? Es ist kein Wunder, dass Frau Dr. Buhr (VDI/VDE) feststellt: „Die Art, wie unterrichtet und im Grundstudium radikal ausgesiebt wird, schreckt viele Mädchen ab.“ (3) Die Jungs noch mehr, muss man hinzufügen.
Was sollte getan werden? Professorat und Verwaltung auf deren Amtseid bzw. deren Verantwortung hinweisen? Das bringt nichts. Einige fristlose Kündigungen aussprechen? Schon besser. Um jedoch ein notwendiges Umdenken zu erreichen, muss der volkswirtschaftliche Auftrag mit den volkswirtschaftlichen Ergebnissen verglichen werden, um anschließend notwendige Konsequenzen ziehen zu können. Unsere Volkswirtschaft braucht jedes Jahr 100.000 MINT Absolventen! Die eine Hälfte, um Akademiker zu ersetzen, die in den Ruhestand gehen, und die andere Hälfte, um unserer expandierenden Wissensgesellschaft den notwendigen Nachwuchs zu liefern. Diese Zahlen erreichen wir jedoch nicht, denn wir schrecken viele Studienwillige vor MINT ab und zusätzlich brechen viele Studenten in diesem Bereich vorzeitig ab. Dadurch wird unserer Volkswirtschaft allein bei der Ingenieurlücke ein Schaden von 6.6 Milliarden Euro zugefügt (4). Wenn Staatsdiener, die einen Lehrauftrag angenommen haben, die Zeichen der Zeit nicht erkennen und ihrer Verpflichtung nicht nachkommen, dann muss Schadensersatz eingeklagt werden.
Es gibt genügend MINT Studenten und zusätzlich ein großes Reservoir an MINT Interessierten, die Hochschulen müssen sich nur entsprechend ihrer Systemrelevanz qualifizieren. Dipl. Ing. Carl Schroebler, Verleger und Autor von „Mein Traumberuf“
(1) Die Entwicklung der Schwund- und Abbruchquoten an den deutschen Hochschulen, HIS 5/2008 (2) Bildung und Qualifikation als Grundlage der technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands, HIS 6/2009 (3) „Abi extra female“, Bundesagentur für Arbeit 2009 (4) VDI/IW-Pressemitteilung, 20.4.2009
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"Intelligenz ist die Magd des Willens"...
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